Berlin 31.10.19

Virale Gen-Fähre für Epilepsiepatienten mit Temporallappen-Epilepsie birgt Hoffnung

Die Temporallappen-Epilepsien sind bei sehr vielen Patienten schwierig zu behandeln und oft sind anfallshemmende Medikamente unwirksam. Die einzige Alternative war bisher die chirurgische Entfernung des betreffenden Hirngewebes. Eine 100-prozentige Garantie für Anfallsfreiheit kann eine Operation auch nicht versprechen, obwohl ein hoher Prozentsatz von Betroffenen bisher anfallsfrei geworden ist.

Eine Forschungsgruppe von Mitarbeitern der Charité, Universitätsmedizin Berlin, entwickelten zusammen mit Mitarbeitern der Medizinischen Universität Innsbruck einen völlig neuen Ansatz zur Behandlung von Temporallappen-Epilepsien. Beginnende Anfälle sollen durch eine gezielte Gentherapie am Ort der Anfallsentstehung und nur bei Bedarf unterdrückt werden.
Dazu soll eine virale Gen-Fähre ein spezielles Gen zu den Nervenzellen des Entstehungsortes transportieren. Das Gen liefert den Bau-Auftrag für das Dynorphin, welches auch eine körpereigene Substanz darstellt und das vor übermäßiger neuronaler Erregung schützen kann. Die Neuronen nehmen das Gen auf, speichern es und produzieren den Wirkstoff sogar auf Vorrat, um bei Erregung der Nervenzellen Dynorphin auszuschütten.

In Tiermodellen hat die Forschungsgruppe gezeigt, dass der anfallshemmende Effekt der Gentherapie monatelang anhält. Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet. Dieses Prinzip wurde auch an epilepsiechirurgisch gewonnen Gewebeproben von Patienten getestet und auch in diesen Experimenten wurde die Erregung reduziert. Nun wollen die Forscher dieses Behandlungsprinzip zur Klinikreife bringen.

Eine ausführliche Pressemitteilung finden Sie hier